DNF beim PAGT20

Eigentlich wollte ich über meinen erfolgreichen Lauf beim Pitztal Alpine Glacier Trail schreiben, aber es kam anders!

Blick auf den Mittagskogel

Am Donnerstag mittag war das Wohnmobil von meinen Eltern schnell gepackt und so konnten wir uns auf dem Weg machen. Wir sind, mein Vater und ich. Ungefähre Ankunftszeit im Pitztal, 23 Uhr. Schlaf fand ich im Wohnmobil erst schlecht und spät gegen 2 Uhr nachts. Um 6 Uhr war ich wieder wach. Aber ich plante ja auch noch einen Nachmittagsschlaf ein nachdem ich die Startnummer abgeholt hatte.

Abholung der Startnummer unter Coronabedingungen

Am Freitag morgen sortierten wir uns erstmal und im Hellen sahen wir nun auch endlich die lang ersehnten Berge. Bei der Anfahrt im Dunkeln kann man ja nur erahnen in was für einer Umgebung man sich befindet. Bis auf einen beleuchteten Wasserfall haben wir keine Berge vom Pitztal bei der Anfahrt gesehen. Wir frühstückten und während ich meine Sachen für die Taschenkontrolle sortierte begab sich mein Vater auf eine Wanderung zum Rifflsee.

Ich kochte mir Nudeln für später und begab mich zur Taschenkontrolle. Ohne Probleme bekam ich meine Startnummer und ging wieder zum Auto. Wegen der aktuellen Corona Situation war auch am Veranstaltungsgelände nicht viel geboten. Also versuchte ich nach dem Mittagessen ein wenig zu schlafen. Mit mäßigem Erfolg.

Kurz vor dem Start versuchte ich nochmal meine Augen auszuruhen.

Ab 17 Uhr bereitete ich mich dann auf den Start um 23 Uhr vor. Essen, Tasche packen und kontrollieren. Dann lief ich mich 1km ein. Bzw eigentlich war das ein Test für meinen Rücken. Und da begann das Drama schon. Die Frage „Sollte ich mit Schmerzen im Rücken einen Ultratrrail laufen“ verdrängt der Kopf ganz gerne. Der Testlauf war jedenfalls OK und somit verschwand die Frage relativ schnell wieder. Das andere Problem war der Schlafmangel. Ich redete mir ein das ja alle das Problem haben. Nur vermutlich habe die meisten den Tag vor dem Lauf mehr als 4 Stunden geschlafen.

Kommt das dritte Handicap für mich bei diesem Lauf. Nach einem Zeckenbiss vor ein paar Wochen, bin ich am Donnerstag noch zum Arzt gefahren und bekam Antibiotika. Da ich noch nie Antibiotika genommen habe, wusste ich nicht was bei körperlicher Belastung auf mich zukommt. Es sollte sich auf jeden Fall nicht positiv auswirken. Soviel kann ich schon mal verraten. Kommen wir zum vierten meiner Probleme. Meine rechter hinterer Oberschenkel meldet sich seid dem TAR 2018 regelmäßig und ich bekomme das nicht in den Griff oder dauerhaft gelöst.

Also alles andere als eine perfekte Voraussetzung für den Lauf. Aber mit der Erfahrung aus 2017 und einer sehr guten Vorbereitung in den letzten Wochen fühlte ich mich fit und gewappnet für den Lauf. Immerhin bin ich dieses Jahr schon 2500km und 35.000 Höhenmeter gelaufen. Also Gesichtsmaske aufgezogen und in den Startbereich rein. Ich startete in der zweiten 50er Welle und machte mich auf den Weg rund um den Mittagskogel mit anschließender Gletscherquerung. Es lief gut. Ich war flott unterwegs und fühlte mich gut als ich nach 17km und 1300hm wieder in Mandarfen ankam. Allerdings hatte ich da schon im Gegensatz zu 2017 eine halbe Stunde (4:30h) länger für die Umrundung gebraucht. Ein ersten Anzeichen für mein Befinden oder ist der sehr fordernde Abschnitt nach der Braunschweiger Hütte im Dunkeln doch zu heftig???

Stau beim Aufstieg zum Mittagskogel.

Wieder in Mandarfen angekommen füllte Ich meine Trinkblase auf und startete in die zweite Runde hoch zum Rifflsee. Alles im Stockdunkeln und nur im Schein meiner Stirnlampe. Die Sunna Alm am Rifflsee war nach ca. 1 Stunde erreicht und ich trank eine Cola. Was Essen konnte ich zu der Zeit schon nicht mehr. Meinen Powerriegel verspeiste ich über knapp eine Stunde lang. Jeden kleinen Bissen musste ich mit Wasser runterspülen um überhaupt was zu essen. Normalerweise passiert mir sowas erst nach 60-70 Kilometern. Aber an diesem Samstag war alles anders!

Rifflsee in der aufkommenden Morgendämmerung

Im Dunkeln passieren mit dem Kopf eigenartige Dinge. Alleine durch die Nacht macht der Kopf was er will. Die ersten Gedanken vom Aufgeben kamen bereits am Rifflsee nach 22km und 1900hm als ich keine Nahrung mehr aufnehmen konnte. Doch dann wurde es langsam hell und die Cola wirkte anscheinend mit ein wenig Verzögerung. Ein paar Lebensgeister kamen wieder und der Aufstieg nach dem See lief hervorragend und den fast ebenen Singletrail konnte ich komplett durch joggen. Die Gedanken über ein Aufgeben verfolgten mich plötzlich wieder. Einen weiteren Rückschlag musste ich dann nach den nächsten zwei Kehren einstecken. Der Abzweig für die letzte Runde kam in Sicht und der Aufstieg bis dahin hatte es in sich. Man musste nach 90km nochmal hoch zum Riffelsee und den umrunden. Es folgt ein Anstieg und der Singletrail runter zu einer Schotterstraße zum Ziel. Klingt machbar. Aber für meinen Kopf zu dem Zeitpunkt nur ein weiteres Puzzleteil zum DNF.

Auf dem Weg zum Taschachhaus mit der Sonne im Rücken

Ich war immer noch auf dem Weg zum Taschachhaus das in der Ferne am Talende immer wieder auftauchte aber nie näher zu kommen schien. Wellig, aber stetig bergauf ging es den Fuldaer Höhenweg entlang. Die Sonne im Rücken wurde es auch ein wenig wärmer. Kam man aber wieder in den Schatten konnte ich meine Mütze sofort wieder aufsetzen. Ein ewiges hin und her. Ich mühte mich den ganzen Lauf ebenfalls mit den Wetterbedingungen. Meine Trinkblase war immer relativ schnell leer. Ich musste alle 15min einen kleinen Schluck trinken um meinen Mund nicht austrocknen zu lassen.

Hinter mir, das Taschachhaus.

Den Single Trail runter vom Taschachhaus (35km, 2800hm) konnte ich noch schnell erledigen und mit Beginn der Schotterstraße wartete auch eine Verpflegungsstation. Hier setzte ich mich erstmal hin und trank eine Cola um vielleicht noch wieder einen positiven Effekt zu bekommen. Die nächsten 7km ging es leicht abschüssig die Schotterstraße runter und ich verfluchte sie Meter um Meter. Ich konnte einfach keine Geschwindigkeit aufnehmen. Immer wieder verfiel ich ins Gehen und beim Anlaufen meldete sich mein Rücken. Die Straße runter versuchte ich bereits meinen Vater und meine Frau zu erreichen und um deren Meinung zu fragen. Aber ohne Handynetz klappte das nicht. Somit fielen mir immer neue Gründe ein den Lauf abzubrechen.

Meine letzten Meter im Rennen.

Kurz vor Mandarfen konnte ich noch mit meinem Vater und meiner Frau sprechen. Aber die Entscheidung konnte nur ich treffen. Am Ende sollte es eine Vernunftsentscheidung werden. Was tue ich meinem Körper mit den Rücken, Oberschenkelschmerzen und dem Antibiotika noch an wenn ich weitere 55km in brütender Hitze laufe?! Ich war mir zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr sicher das ich es vor dem CutOff um 1 Uhr ins Ziel schaffen sollte. Hatte ich doch für die ersten 47km schon 10:30h gebraucht und schneller wäre ich bestimmt nicht geworden! Am Ende sollten auch nur 24!! (22 Männer und 2 Frauen) von knapp unter 80 Läufer/innen das Ziel auf der 105km Strecke erreichen! Ein weiterer Beweis der Schwierigkeit für eines der härtesten Trailrennen im deutschsprachigen Alpenraum.

Ein DNF (Did not Finish) tut immer weh und es ist so bitter seine Ziele nicht erreicht zu haben. Aber Ich mache den Sport erst seid knapp 5 Jahren und der Körper muss sich an solche Belastungen langsam gewöhnen. Das wurde mir im Pitztal mal wieder bewusst. Ich werde in Zukunft die Trails in den Bergen genauer aussuchen auf Ihre Laufbarkeit und die technischen Anforderungen. Als Münsterländer kann man nun mal nicht jeden Tag einen technischen Berg mit 1000 Höhenmetern trainieren. „Leider“. 😉 Was kommt nach dem DNF? Ich ruhe mich erstmal aus und versuche die Wehwehchen weg zu bekommen. Und wenn ich wiederhergestellt bin, mache ich mir mal Gedanken auf welches Abenteuer ich mich als Nächstes einlasse. Aber bis dahin bin ich froh über jeden Tag den ich weiter laufen und Sport machen kann. Denn das ist die Hauptsache. Spaß an der Sache. Egal wo!

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