Walser Ultra Trail

Natürlich zweifelt man, natürlich macht man sich Gedanken und selbstverständlich fragt man sich warum mache ich das? Aber am Ende bleibt nur der Stolz über die eigene erbrachte Leistung!

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Zieleinlauf von Frank.

Ein paar Tage später und die Müdigkeit verschwindet so langsam aus dem Beinen, bleibt die Frage des warum natürlich immer noch ungeklärt. Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Man kann auch niemanden versuchen zu erklären der sowas nicht gemacht hat. Monate/Jahre der Vorbereitung um dann den halben Tag bei Regen und Nebel durch die Alpen zu laufen. Schon ein wenig wahnsinnig! Aber positiv wahnsinnig wie ich finde.

 

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Genau das haben Frank und ich am letzten Sonntag im Kleinwalsertal gemacht. Nach dem Widderstein Trail (15km, 980hm) am Samstag standen wir also um 6 Uhr im Hirschegg vor den Walserhaus und starteten auf die Ultra Distanz (63km, 3900hm) der Walser Trail Challenge Pro.

Von der Ferienwohnung ging es mit dem Sonderbus nach Hirschegg. Es folgte die schon gewohnte Taschenkontrolle und das Aufstellen im Startbereich. Diesmal direkt im Mittelfeld um nicht am Anfang in den Sog der schnellen Läufer zu geraten. Am Anfang darf man nie zu schnell sein. Da es nach dem Start direkt 80m bergauf ging kamen wir aber gar nicht auf die Idee zu schnell zu laufen. Nachdem wir den Ort verlassen hatten und in den Wald eingelaufen sind habe ich Frank aus den Augen verloren. Es musste eh jeder sein Tempo laufen.

 

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Es ging Richtung Gottesackerplateau und das bedeutete 1100hm auf 8km bei bereits jetzt schwierigen Bedingungen. Der Weg war toll und bot alles was das Trailherz begehrt. Durch den fast anhaltenden Nieselregen aber war jeder Stein, jede Wurzel so rutschig wie Schmierseife. In konstanten Tempo ging es über kleine Schneefelder schließlich über imposante Felsformationen hoch in das Sportgebiet des Ifen. Die Felsen sahen aus wie aufgeplatzt mit teilweise meter tiefe Spalten. Die jahrhundertelange Witterung hat die Felsen auf der Oberfläche glatt gewaschen. So musste man nur aufpassen nicht auszurutschen. Langsam kam ich hier ganz gut vorwärts.

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Ein paar Schneefelder waren auch dabei.

Den hohen Ifen mussten wir komplett im Nebel erklimmen und die sonst so imposante Berglandschaft blieb uns leider verwehrt. Das sollte ich auch so gut wie den ganzen Tag nicht ändern. Runter ging es dann gut laufbar den „Eugen-Köhler-Weg“ bis zur Schwarzwasserhütte. Über eine Schotterstrasse ging es weiter bis zur V1 an der Auenhütte. Nach kurzer Verpflegung ging es an den nächsten Anstieg Richtung Walmendingerhorn. Nach dem höchsten Punkt des Abschnitts geht es zunächst einige hundert Meter über einen schmalen Bergrücken hinab. Doppelte Vorsicht war geboten, konnte man doch auf beiden Seiten herunterfallen wenn man nicht aufpasst.

 

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Als ich in Baad beim nächsten Verpflegungspunkt ankam lag ich wirklich gut in der Zeit. Ich hatte da bereits 2300hm und 34km geschafft. Mehr als die Hälfte in knapp über 6 Stunden. Bis hier hin war ich zufrieden. Auch das Wetter war mit ein wenig Nieselregen gnädig. Die Regenjacke musste ich erst bei ca 5 Stunden Laufzeit anziehen und zog sie danach auch nicht mehr aus.

Ab Baad ging es wieder wieder steil bergauf. 900hm auf 6km! Ich wäre so froh das irgendwo bei uns in der Gegend trainieren zu können. Denn auch wie schon am Samstag beim Widdersteintrail musste ich alle Läufer/innen bergauf ziehen lassen. Den anschließenden leicht welligen Abschnitt konnte ich dann nach kurzer Verschnaufpause aber wieder schneller angehen. Den Beinen ging es gut und auch der Kopf wollte das Ding unbedingt schnell zu Ende bringen.

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Die Regenjacke war ein treuer Begleiter.

Einen kurzen Schreckmoment erlebte dann ein Läufer vor mir. Anscheinend ausgerutscht und prallte er mit den Kopf auf die Steine. Mit noch zwei Läufern begleiteten wir ihn zur nächsten VP und der Bergwacht. Zum Glück ging es für Ihn aber weiter. Ich rief mir aber selber nochmal in Erinnerung achtsam zu sein und auf den letzten 15km nichts mehr zu riskieren um heile im Ziel anzukommen. Hörte der mäßige Dauerregen nicht auf kam am nachmittag auch noch die kälter werdenden Temperaturen dazu. Ich entschloss mich daher an der vorletzen VP mein Laufshirt gegen das trockene lange Laufshirt zu tauschen. Das weckte nochmal meine Lebensgeister.

Nach der Streckenänderung am Anfang gab es kurz vor Schluss auch noch eine kleine Änderung. Ohne es zu wissen ging es da für mich immer bergauf und in dem Glauben noch einen schweren Anstieg machen zu müssen, fragte ich die Bergwacht auf dem Grat ob noch ein Anstieg kommt. Zum Glück war die Antwort: „Nein ab hier nur noch bergab, Lediglich hundert Meter vor dem Ziel geht`s nochmal 30m bergauf“. Also ging es ab ins Tal Richtung Hirschegg. Der Dauerregen verwandelte alle Wege in Flüsse. Durch das dauernde platschen in den Flüssen und wegrutschenden Steinen wurden aber auch immer die vorherlaufenden (29km) Läufer gewarnt und Sie machten alle Platz für mich. So kam ich gut vorwärts und irgendwann hört ich bereits den Zielkommentator. Es lagen aber immer noch anspruchsvolle Wege vor mir. Teilweise war es deshalb einfacher durch die Flüsse zu laufen. Die Schuhe waren eh nass und dort rutschte man wenigstens nicht aus.

Letztes Jahr habe ich mir 2km vor dem Ziel noch auf einer Bank ausruhen müssen um Kraft für die letzten Meter zu sammeln. Das war dieses Jahr komplett anders. Ich fühlte mich gut und joggte auch jetzt noch kleine Anstiege. Die letzten 30hm auf einem geteerten Weg waren da dann auch kein Problem mehr und ich erreichte hochzufrieden nach 12:02:23h das Ziel. Komplett durchgefroren war dann nur noch das Ziel zu duschen.

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Frank im Ziel. Erschöpft aber glücklich.

Nach dem duschen schnell ans Handy und die Live Ergebnisse checken. Wo war Frank? An der dritten Kontrollstelle bei km 52 war er nur sensationelle 40min hinter mir. Ich schnappte mir meine Kamera und positionierte mich im Zielbereich. Nach 13:01:15h erreichte Frank nur knapp eine Stunde hinter mir das Ziel. O-Ton im Ziel. „Ich hatte gute Beine. Es lief einfach“. Für Frank war es übrigens der längste Tag jemals in Laufschuhen auf den Beinen. Herzlichen Glückwunsch! Mit dem Wochenende komplett zufrieden gönnten wir uns in einer Pizzeria noch was zu essen und ein alkoholfreies Weizen.

Walser Trail Challenge Pro! Das muss man einfach mal gemacht haben!!! Perfekt organisiert. Tolle Trails, anspruchsvolle Strecke. Danke an alle Organisatoren und Helfer!

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