Zugspitz Ultratrail 2018 – DNF nach 81km

Der Magen rebelliert und nimmt kein Essen mehr auf. Rennen ist nicht mehr möglich und es kommen Schwindelgefühle auf. Es ist der 16.06.18 ca. 19 Uhr kurz vor der Partnachklamm und ich bin durch! Aber fangen wir mal von vorne an!

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Gerade auf dem ersten Teil der Strecke gibt es tolles Bergpanorama.

Bereits im Oktober 2017 habe ich mich für die Ultradistanz angemeldet. Damals noch in dem festen Glauben das mit dem Training irgendwie zu schaffen. Aber wie so oft, kommt es anders als man denkt. Ich fühlte mich trotzdem gut vorbereitet, hatte ich ja für Innsbruck bereits einen 100km Trainingsplan umgesetzt. Die sechs Wochen dazwischen wollte ich regenerieren und noch eine hohe Umfangwoche (180km) einbauen.

Leider fiel dann wegen einer Oberschenkelverletzung der hohe Umfang aus und ich hatte zwei Wochen Laufpause. Also gut dachte ich mir, gehe ich gut regeneriert in das Rennen.

Also setzte ich mich am Freitag in den Zug von Essen nach München und dann weiter nach Garmisch. Auf dem Weg zur Ferienwohnung kam ich bei der Registrierung vorbei und konnte so direkt meine Startnummer abholen. Die Kollegen Thomas, Sascha und Jochen waren bereits ein paar Tage da und hatten es sich gut gehen lassen. So stand abends nur noch die Pasta Party auf dem Programm. Das Wetter am Renntag sollte gut werden, also schenkten wir uns das Streckenbriefing und gingen früh schlafen.

Mein Wecker klingelte am Samstag gegen 5 Uhr und ich fand mich zwei Stunden später mit weiteren 565 Läufern im Musikpavillion von Grainau wieder. Pünktlich ging es los, ehe ein Zug das komplette Läuferfeld kurz nach den Start stoppte. Das sorgte für eine kurze Erheiterung. Ich begann das Rennen mit der Erfahrung aus zwei erfolgreich gefinishten Läufen sehr konservativ. Ankommen war das Ziel! Ich verpflegte mich gut und war in der Zeit. Auch der erste große Anstieg war schnell erledigt und die höchste Stelle des Rennens stellte kein Problem dar. Der zweite folgende hohe Anstieg bat bei wundervollen Bedingungen ein tolles Bergpanorama und einen Abstieg der es in sich hatte. Ein großes Schneefeld musste an einem Seil runtergerutscht werden. Ein paar Meter später nahm das Unglück seinen Lauf. Einer meiner Stöcke brach. “Shit“ dachte ich mir. Nach einem Blick auf die Uhr wurde das Fluchen noch ein wenig größer. Ich hatte erst 36km gelaufen. Aber was soll’s dachte ich mir nach einigen Metern. Ich kann das nun nicht mehr ändern.

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Immer weiter, immer bergauf!

Es lief weiterhin gut und bis zur Verpflegungsstation V5 machte ich mir noch keine Gedanken das ich es nicht schaffen werden. Auf dem folgenden flachen Stück lud ich die Batterien meiner Uhr und Kamera auf und versuchte langsam wieder Tempo aufzunehmen. Aber irgendwas war anders.

Ich brauchte ab nun immer mehr Pausen zum gehen, dabei befand ich mich erst bei Kilometer 58. Den letzten Rest gab mir dann wohl die Zunahme des dritten MuscleRelax Shot auf Gurkenwasserbasis. Die sollen Krämpfe in den Beinen verhindern. Was sie auch tun, um das vorweg zu nehmen. Ich hatte den ganzen Wettkampf keine Krämpfe. Aber irgendwas passierte mit meinen Magen. Über mehrere Minuten hatte ich ein Übelkeitsgefühl und ich bin viel gegangen.

An der Verpflegung V6 konnte ich nichts Essen und ruhte mich das erste mal ein wenig aus. Ein zäher Aufstieg zum Ferchensee folgte. Das alles noch in einer besseren Zeit als letztes Jahr. Am V7 Ferchensee versuchte ich eine klare Brühe zu essen. Weder habe ich die noch die Cola runterbekommen. Ich schleppte noch also weiter vorwärts. Neu war aber nun das ich beim stehenbleiben leichte Schwindelanfälle hatte. Da ich immer noch nichts essen konnte schwante mir hier schon Böses. Den steilen Anstieg hinter Schloß Elmau konnte ich auch noch gut hinter mich bringen. Aber an bergrunter rennen war wegen den Magenproblemen nicht mehr zu denken. An einer Stelle kurz vor der Partnachklamm musste ich mich dann an einer Absperrung festhalten wegen nun starken Schwindels.

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Da war noch alles gut. Bei der Kulisse auch kein Wunder oder?

Wenig später wurde ich von der Bergwacht gefragt ob alles gut sei. Nun ja?! Ich bekam einen Stuhl und durfte mich setzen. Schnell gesellten sich zwei weitere Läufer mit ähnlichen Problemen dazu. Zusammen beschlossen wir auszusteigen. Ich kannte ja die Strecke und stellte für mich fest das es zu dem Zeitpunkt die beste Entscheidung ist. Ich hätte noch 20km und über 1000 Höhenmeter laufen müssen. Mit Magenproblemen hätte das ja vielleicht noch funktioniert aber der Schwindel war mir unheimlich. Selbst eine längere Pause an der V8 hätte evtl nicht geholfen da ich nur ausgekühlt wäre und das wohl nur noch mehr Probleme verursacht hätte.

Also ging es zunächst mit der Gondelbahn runter ins Tal ehe Sascha und Jochen mich dann freundlicherweise abholten. Die haben ihr Läufe erfolgreich gefinisht. Sascha lief den Basetrail XL, Thomas und Jochen den Supertrail. Jochen wurde in seiner AK sogar toller 2 und insgesamt 7.

Leicht wehmütig ging ich dann am Sonntag zur Siegerehrung, da dort immer noch Ultratrailer das Ziel erreichten. Aber richtig war meine Entscheidung auf jeden Fall. Ich habe das Ding schon zweimal gefinisht und kann stolz auf die 81km sein. Von 566 Startern gelangten übrigens nur 389 auf der Ultradistanz ins Ziel. Eine so hohe Abbruchquote hat mit Sicherheit immer individuelle Gründe, aber zeigt auch die Schwierigkeit des Rennens.

Jetzt sind es nur noch 12 Wochen bis zum Transalpine Run und es bleibt keine Zeit der Zugspitze hinterherzutrauern. Auch wenn es schön gewesen wäre das drei mal in Folge zu schaffen!

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