Pitz Alpine Glacier Trail – DNF P100

Am Ende kam einfach zu viel zusammen und dann muss man Entscheidungen für seine Gesundheit treffen. Diese schwere Entscheidung des DNF (did not finish) traf ich für mich bei Pitz Alpine Glacier Trail 2017.

pagt17_9

Blick auf die Uhr! Ich war viel zu langsam unterwegs.

Ich will jetzt nicht direkt am Anfang schon nach Ausreden suchen, aber vielleicht hilft es das Erlebte besser zu verarbeiten. Was mir aber immer schon bewusst war, das ein 100km Ultralauf im alpinen Gelände kein Besuch im Streichelzoo ist. Gerade für mich als Flachländer, wo der höchste Hügel in der näheren Umgebung 35m misst. Also muss man sich umso gewissenhafter auf so einen Lauf vorbereiten. Das war dieses Jahr leider nicht der Fall.
Nach dem Zugspitz Ultratrail vor sechs Wochen hatte ich zwei Wochen trainieren können, davor und danach habe ich jeweils Regenerationswochen eingelegt. Die Wochen vor dem P100 musste ich mich um das Projekt „Bau“ kümmern und so blieb weder für Training noch für die notwendige Regeneration Zeit. Stress und Hektik wechselten sich in der Zeit ab. Dazu kam dann noch über Tage üble Magenschmerzen, die aber zum Glück rechtzeitig aufgehört haben.

Am Donnerstag kamen wir im Pitztal an und haben noch das schöne Wetter genossen, ehe wir am Freitag um 14 Uhr meine Startnummer abholen konnten. Vor dem aushändigen der Startnummer wurde die Tasche kontrolliert. Neben den Schuhspikes für die Gletscherüberquerung wurde eine unübliche Regenhose gefordert. Bei mir war alles OK und ich bekam das Pitztal Bändchen und meine Startnummer.
Bis zur Pastaparty blieben wir nicht mehr, da ich bereits bereits um 15 Uhr eine gewisse Müdigkeit verspürte. Am Ende stellte sich heraus, dass es eine gute Entscheidung war nicht dageblieben zu sein. Um 17:30 Uhr fing es an zu regnen und viele Besucher standen später im Regen. Laut einer Läuferin waren die Nudeln und Parmesan auch teilweise unter Wasser.
So lag ich dann um 20 Uhr im Bett und konnte noch ein paar Stunden schlafen.

 

Um 01:30 Uhr klingelte der Wecker und ich frühstückte ein wenig. Viel ging nicht rein um die Uhrzeit. Meine Frau begleitete mich zum Start und als wir in Mandarfen ankamen war es eine recht milde Sommernacht. Trotzdem entschied ich mich für das lange T-Shirt. Denn direkt nach dem Start ging es hoch zum Mittagskogel. Das bedeutet auf 6km mussten 1400 Höhenmeter bewältigt werden. Ich stellte mich in die Mitte des Starterfeldes um nicht zu schnell zu starten. Im Schein der Stirnlampe ging es relativ schnell auf den ersten Trail.

pagt17_1

3:30 Uhr! Start des P100 und P85

Die Schlange von Stirnlampen schlängelte sich den Hang zum Gipfel rauf. Ich hielt mich lange hinter 2-3 Läufern auf, da ich mich gut fühlte und schneller gehen konnte, überholte ich und konnte so immer mehr Meter gut machen. Aus dem Wald raus kamen auch sofort die ersten großen Felsen die den Weg säumten. Da es am Vortag geregnet hat waren die Felsen extrem rutschig und man musste sehr vorsichtig sein. Ich rutschte auch einmal aus, konnte mich aber noch abstützen. Ein Läuferpaar, das mich noch am ersten Anstieg überholt hatte, konnte ich auf dem felsigen Weg wieder einholen und ebenfalls überholen. Die letzten 100 Höhenmeter hatten dann schon ein wenig was von Klettern um zur Scharte zu gelangen. Immer wieder rutschte ich aus. Die Stöcke in einer Hand und mit der anderen haltsuchend in den Felsen erreichte ich nach 02:04h den höchsten Punkt des Rennens. Schnell einige Fotos vom Sonnenaufgang gemacht und schon ging es weiter zur ersten Verpflegungsstation.

pagt17_2

traumhafter Ausblick morgens um 5:30 Uhr mit Blick ins Pitztal.

Zwischen den Skiliften des Pitztal Gletscher stand einsam und verlassen ein Biertisch mit der Verpflegung. Ich trank und aß eine Kleinigkeit und machte mich auf den Weg zur Gletscherquerung. Vor der gewaltigen Kulisse des Pitztal Gletscher zog ich meine Schuhspikes über und begab mich durch eine Art Fahrrinne über das blanke Eis. Nach ca. 200m ging es auf geradem Weg den Gletscher hinunter. Die Spikes sorgten für guten Griff und so konnte ich sogar leichtes Joggingtempo aufnehmen. Nach ein paar Minuten war der Spaß aber schon wieder vorbei. Also Spikes aus und weiter zur Braunschweiger Hütte.

pagt17_3

Das Highlight Gletscherquerung konnte ich noch genießen.

Immer noch konnte man den Sonnenaufgang genießen. Die Wolken hingen tief im Tal und das Bergpanorama war atemberaubend. Der Abstieg von der Braunschweiger Hütte war teilweise Seil gesichert und in den Stein geschlagene Eisentritte erleichterten den Abstieg, ehe man auf eine Schotterstraße wechselte und es Richtung Mandarfen rollen lassen konnte.

pagt17_4

Läuferherz was willst du mehr?

pagt17_5

Mittagskogel im Hintergrund und Mandarfen im Blick.

Im Verpflegungsbereich des Start/Ziel warteten schon meine Frau mit unserem Sohn und mein Schwager mit seiner Frau. Die sind alle zur Unterstützung mit ins Pitztal gekommen. Ich war gut drauf, packte die Spikes in die Dropbag, legte das lange Shirt weg und lief kurzärmlig weiter. Es sollte ja noch warm werden an dem Tag. Nach kurzem Aufenthalt machte ich mich auf zum Anstieg Richtung Rifflsee. Ich wurde zwar merklich langsamer, aber nur einmal von einem P100 Läufer überholt. Die anderen waren die ersten des „P42 Glacier“ Laufs. Das war OK.

pagt17_10

Mandarfen mit dem Start/Ziel Bereich im Tal.

Der Aufstieg zog sich, Kehre um Kehre und als man dachte über die nächste Kuppe und man ist da machte sich die Ernüchterung breit das man noch weiter muss. Als der Rifflsee endlich auftauchte ging es noch einen Schotterweg zur Bergstation und zum ersehnten Verpflegungspunkt hinauf. Hier machte ich meine Trinkblase zum ersten Mal mit Wasser voll und machte mich wieder auf den Weg. Entlang des Bergsees, indem sich die Berge spiegelten und einen tollen Anblick freigeben, ging es immer weiter bergauf. Nach einiger Zeit bogen wir ab und begaben uns auf den Fuldaer Höhenweg.

pagt17_6

Der Rifflsee (2232m)

Immer der Markierung folgend lief ich weiter. Zu der Zeit lag eine dicke Wolke im Hang und bei mir ging jegliche Orientierung verloren. Ich war heilfroh das es runter ging. Plötzlich unterhielten sich meine Vorläufer und ich schloss zu Ihnen auf. „Wir sind falsch“ sagte einer und zeigte auf einen Läufer ein paar hundert Höhenmeter über uns. Also drehten wir um und machten uns wieder an den Aufstieg für die Originalstrecke. Wir waren auf ein Stück abgebogen was wir eigentlich zum Schluss des Rennens hätten laufen müssen. Auf halber Strecke kam uns mitten im Hang ein Streckenposten entgegen und sprach von kompletten Chaos. Wir folgten ihm über Stock und Stein um zum Streckenposten zu gelangen. Kurz die Startnummer notiert und dann ging es für uns weiter aufwärts zum Taschachhaus. Dieser extra Schlenker hat aber gerade im Kopf einige Körner gekostet. Mir ging es da nicht anders als den Anderen die sich verlaufen hatten. Plötzlich kam uns eine große Gruppe des P16 Rennens entgegen. Die hatten sich anscheinend auch verlaufen und waren wenig amüsiert.

pagt17_7

Blick auf die Gletscher.

„Ich kann ja verstehen das mal eine Markierung auf der Strecke fehlt und man evtl. eine Abzweigung nicht findet. Generell merkt man das aber früh genug, da die Markierungen dann ausbleiben. Was aber nicht passieren darf ist das eine Weggabelung nicht richtig ausgeschildert wird, bzw. komplett fehlt.“

pagt17_8

Überquerung eine Gletscherflusses

Einen letzten knackigen Anstieg ging es dann nochmal hoch und schon wartete der Downhill zum Taschachhaus. Nach einem Gespräch mit einen Mitstreiter auf der P85 Strecke war für uns beide klar, in Mandarfen das Rennen zu beenden. Wenig später auf der Strecke traf ich noch jemanden der sich verlaufen hatte und wir waren auch einer Meinung. Ich ließ den Rest also locker angehen, ohne zu trödeln. Immer wieder machte ich mir Gedanken weiter zu laufen. Aber die weiter oben bereits aufgeführten Gründe, und die bereits absolvierte Strecke, die bisher benötigte Zeit ließen keinen anderen Entschluss zu. Ich war 47,5km mit über 3000 Höhenmeter bei 10 Stunden Laufzeit unterwegs. Das macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,7km/h. Zum Vergleich, an der Zugspitze lief ich im Durchschnitt mit 6,4km/h). Es sollte aber durch die Streckenänderung und die ungewollte Schleife noch weitere 65km dazu kommen. Das bedeutete also bei meinem Tempo nochmal 13 Stunden laufen. Da man am Ende nicht schneller wird, war für mich die Grenze erreicht. Es hätte noch eine weiterer Anstieg mit 1200 Höhenmetern gewartet. Kurz danach hätte ein „gefährlicher Abstieg“ gefolgt. Dieser war in dem Streckenplan eingezeichnet und zog sich über 4 km. Auf den ersten 47,5km gab es aber schon mehrere Stellen mit derartiger Beschilderung, die aber keinen Hinweis im Streckenprofil fanden.
Die Streckenänderung hätte uns nochmal ins Tal geführt um dann wenig später direkt wieder aufzusteigen. So wurde eine Stelle umgangen die durch eine Gerölllawine unpassierbar war. Dies bedeutete aber nochmal mehr km und Höhenmeter. Danach hätte ich nur noch das Tal hochlaufen müssen und eine kleine Schleife hoch zum Rifflsee. Insgesamt wären es dann vermutlich über 110km mit 7000 Höhenmetern und 23-25h Laufzeit geworden.

Dafür das ich den Ultrasport erst seit 3 Jahren mache und das erst mein dritter 100er in den Bergen gewesen wäre, ist der Pitztal einfach eine Nummer zu hart gewesen. Es fehlt an vernünftigem Höhenmetertraining bei uns im Münsterland.

Gibt es Lehren die ich aus dem Rennen ziehe? Jede Menge sogar!
Die Vorbereitung muss stimmen, sowohl vom Kopf als auch von den Beinen. Ob ich mich nochmal für einen hochalpinen Hunderter anmelde weiß ich nicht. Bestimmt nicht in nächster Zeit. Da bleibe ich bei der Kategorie ZUT mit seinen, auch als Flachländer, gut laufbaren Wegen. Ich mache mich also auf die Suche nach vergleichbaren Distanzen die weniger alpine Höhenmeter haben. Es muss nicht immer sofort das Extreme sein und da ich das Gefühl hatte meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen habe ich leider den schweren Entschluss gefasst das Rennen zu beenden.

So habe ich aber noch die Chance ausgeruht die letzten Tage des Urlaubs mit meiner Familie zu genießen und evtl. nochmal einen kleinen Trailabstecher in die Berge zu unternehmen. 😉

Ich bin trotzdem stolz auf meine Leistung und bereue nicht es probiert zu haben.

Kein Ausrede erlaubt es, das Vorhaben nicht zu versuchen„. (Autor unbekannt)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s