75km Sallandtrail – Hart und schön!

„Am Ende hat der Wille über den Körper gesiegt.“ So kurz und knapp ließe sich mein Ausflug nach Holland zum Sallandtrail beschreiben. Aber dann würde ich dieser tollen Laufveranstaltung nicht gerecht werden!

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Start/Finish Bereich in Nijverdal

Irgendwann um Weihnachten rum stieß ich beim durchstöbern des DUV Rennkalenders auf diesen Trail. Es wurden 25, 50 oder 75km angeboten. Schnell war klar das ich die 75km laufen wollte. Trotzdem las ich erstmal einige Erfahrungsberichte und schaute mir Fotos an. Die Finisherzahlen stiegen zwar jedes Jahr an. Aber die angemeldeten Läufer für die Distanz und tatsächlichen Finisher zeugten schon von einer hohe Abbruchquote. Auch wenn man bei dem Lauf auch nach 50km aussteigen kann, ist es dann ja kein DNF oder?

Umso mehr dachte ich mir das dieser Lauf eine tolle Vorbereitung für die Alpentrails im Sommer sein wird. Also schnell einen Babysitter organisieren, Danke an meine Eltern, und dann meldete ich mich für die 75km an.

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Meine Startnummer.

Zwei Wochen nach dem Bad Salzuflen Marathon machte ich mich morgens auf den Weg nach Nijverdal. Die Ultraläufer starteten zuerst und so standen am Anfang noch ausreichend Parkplätze direkt am Schwimmbad zur Verfügung. Die Startnummer war dann auch schnell abgeholt und so habe ich mich dann im Auto umgezogen. Warm machen war nicht nötig, da ich nicht vorhatte so schnell zu laufen. Angepeilt war eine Geschwindigkeit von knapp 10,5-11kmh. Da ich aber den Trail zum ersten mal laufen würde wäre ich auch einfach froh überhaupt zu finishen. Sich Ziele zu setzen ist nie verkehrt.

Über Hundert Läufer standen am Start und gingen pünktlich um 08:45 Uhr auf den Trail durch „De Sallandse Heuvelrug“. Wie so oft musste ich mich am Anfang immer mal wieder bremsen um nicht zu schnell zu laufen. Das gute war das niemand aus meinem direkten Umfeld auch nur versuchte von Anfang an auf Tempo zu gehen. So lief ich die ersten 30km etwas über dem angepeilten Tempo. Die Pfade bis dahin versprachen noch einen tollen Lauf. Dauernd ging es durch den Wald über Wurzeln und an Schlammlöchern vorbei. Typisch für Holland durfte auch ein kleiner Abschnitt an einer Gracht vorbei nicht fehlen. Zu einem Verpflegungspunkt musste man über einen Acker laufen. Wenn man das mal selber gemacht hat kennt man ja bei dem weichen Boden die Anstrengung.

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Die Grachten durften nicht fehlen.

Ich sollte auf den Löwen vom Lemelerberg achten, wurde mir vor dem Start gesagt. Nach knapp 25km ging es einen kleinen Aussichtspunkt hoch. Dort thronte auf einer Statue der berühmte Löwe. Es ging sandig weiter und so langsam merkte ich meine Beine. Der immer wechselnde Untergrund machte mir mehr zu schaffen als gedacht. Dauernd musste man hochkonzentriert laufen um nicht über eine Wurzel zu stolpern. Ich hatte trotzdem einen unachtsamen Moment und durfte mir den Waldboden mal näher ansehen. Umso konzentrierter und vorsichtiger lief ich weiter.

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schöne aber anspruchsvolle Waldwege

In den Beinen kamen Anzeichen von Krämpfen und es ging nur noch langsam voran. Mein Essensplan mit Powershots, Wasser und Salztabletten hielt mich wahrscheinlich im Rennen, aber eine schnelle Zeit war nicht mehr möglich. Ich versuchte einfach nur noch ein Bein vor das andere zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich immer noch 40km vor mir. Als Zwischenziel setzte ich mir erstmal die 50km Marke. Die befand sich wieder am Start und bedeute einen Verpflegungspunkt. Mein Wasser ging nämlich zu neige.

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55km gelaufen und noch 20 to go!

Auf dem Hinweg passierten wir schon eine Motorcrossanlage und wieder auf dem Weg zum Start ging es dann an einem Vergnügungspark vorbei. Zu der Zeit im Jahr hat der aber leider noch geschlossen. Eine gemütliche Achterbahnfahrt hätte ich zu dem Zeitpunkt als angenehmer empfunden. Von weitem hörte man dann schon eine große Menschenmenge beim Start und schließlich stand ich vor der Entscheidung das Rennen zu beenden oder noch weitere 25min zu laufen. Da mein Kopf unbedingt die 75km laufen wollte also entschied ich mich für Variante zwei und ich füllte meine Trinkflasche auf und weiter gings.

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Sandwege machten das Laufen nicht einfacher.

Nach dem Verpflegungspunkt ging es teilweise auf Mountainbikestrecken weiter, bis wir eine Unterführung durchquerten und durch eine weitere tolle Landschaft laufen durften. Ich dachte ja eh nur von km zu km oder von Kurve zu Kurve beschreibt es noch besser. 13km vor Schluss kam noch ein Verpflegungspunkt und ich griff zum Joker Cola und ein paar Chips. Mal was Leckeres hebt einfach die Stimmung. So war es mir dann möglich wenigstens die flachen und abfallenden Stücke zu joggen. An ein joggen bei den Anstiegen war schon seit langem nicht mehr zu denken. Ca. 7km vor Schluss verabschiedeten sich meine letzten Trinkreservern. Zum Glück gab es 4km vor Schluss noch einen Verpflegungspunkt und ich konnte noch einmal was trinken.

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Ab und zu wurde es auch steil. Hier war es auch noch sandig.

Ich habe die Unterführung schon gesehen, als mich bei einer kurzen Verschnaufpause 2km vor Schluß ein so heftiger Krampf in der linken Wade ereilte das ich schon dachte ich muss den Rest gehe. Nachdem ich das Bein gedehnt hatte ging es zum Glück aber wieder und ich konnte die restlichen Metern ins Ziel vorsichtig zuende laufen.

Im Ziel wurde man dann höchstpersönlich vom Rennleiter mit einem Handschlag begrüßt und nach einem kurzen Schwätzchen konnte ich mich endlich hinsetzen. Ich genoß noch eine Cola und machte mich dann langsam auf zum Auto um meine Tasche zu holen und zu duschen. Aber erst musste ich noch meine Waden massieren. Meine linke Wade hatte beim sitzen so viele Kontraktionen das die sich eigentlich schon fast selber massierte. Durch freundliche Helferinnen wurde man ins Schwimmbad gelassen und bekam 50 Cent für den Spint. Da ich am Ende knapp über 8 Stunden (08:02:20) für die 75km gebraucht hatte machte ich mich direkt auf den Rückweg ohne das Schwimmbad nutzen zu können. Das stand noch für alle Läufer kostenfrei zur Verfügung und wurde auch gut genutzt.

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Das war eine harte Nummer!

Am Ende war ich glücklich bei dem herrlichen Laufwetter die Strecke komplett durchgezogen zu haben. Ich werde jedoch viel für die Alpentrails trainieren müssen. Viele lange Läufe in den Rekener Bergen werden also folgen!
Den Sallandtrail kann ich auf jeden Fall empfehlen und ich werde bestimmt nicht das letzte mal dagewesen sein.

Ein paar Statistiken habe ich dann auch noch für die Leser die bis hierhin durchgehalten haben. 😉
Strecke (laut meiner Laufuhr): 75,81km
Höhenmeter: 845m
verbrannte Kalorien: 6584
Durchschnittsgeschwindigkeit: 9,4kmh bzw. 06:22min/km
Durchschnittliche HF: 143

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Man sieht den Leistungsabfall nach 4h. rot= Herzfrequenz, schwarz = kmh

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